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Was sind Backup-Speicherklassen?

Backup-Speicherklassen sind unterschiedliche Speicherarten für die verschiedenen Phasen der Backup-Aufbewahrung und Wiederherstellung. Organisationen können aktuelle Backups auf Speicher für schnelle Wiederherstellungen halten, ältere Backups auf kostengünstigeren Kapazitätsspeicher verschieben und Langzeitkopien auf Archivspeicher oder Band aufbewahren. Welche Klasse angemessen ist, hängt von den Wiederherstellungsanforderungen, den Aufbewahrungsfristen, den Abrufkosten und davon ab, wie häufig auf das Backup voraussichtlich zugegriffen wird.

Wie Backup-Speicherklassen funktionieren

Backup-Daten haben über ihre gesamte Aufbewahrungsdauer hinweg nicht denselben operativen Wert.

Ein gestern erstelltes Backup wird mit vergleichsweise hoher Wahrscheinlichkeit für eine Wiederherstellung benötigt. Eine Kopie, die mehrere Jahre aufbewahrt wird, existiert häufig vor allem, um regulatorische, rechtliche oder historische Aufbewahrungsanforderungen zu erfüllen. Beide Kopien auf Speicher mit identischen Leistungs- und Kostenmerkmalen zu halten, ist deshalb möglicherweise nicht erforderlich.

Tiering erlaubt es Backup-Teams, die Speichereigenschaften an die erwartete Nutzung der Daten anzupassen.

Eine typische Aufteilung kann Folgendes umfassen:

  • Performance-Klasse: Aktuelle Backups auf Speicher, der häufige oder umfangreiche Wiederherstellungen unterstützt.
  • Kapazitätsklasse: Ältere Backups, die wirtschaftlich aufbewahrt werden und dabei gut zugänglich bleiben.
  • Archivklasse: Langzeitkopien auf Speicher, bei dem der Zugriff länger dauern oder zusätzliche Abrufvorgänge erfordern kann.

Das sind funktionale Beschreibungen und keine allgemeingültigen technischen Kategorien. Backup-Produkte und Speicherhersteller verwenden unterschiedliche Begriffe, und manche Plattformen können mehr als eine Rolle übernehmen.

Wie sollten Sie entscheiden, welche Backups auf welche Klasse gehören?

Die wichtigste Entscheidung ist häufig die Grenze zwischen den Klassen.

Backups auf günstigeren Speicher zu verschieben, spart nur dann Geld, wenn die daraus folgenden Abrufeigenschaften weiterhin die Wiederherstellungsanforderungen der Organisation erfüllen.

Mehrere Faktoren helfen dabei, diese Grenze zu bestimmen.

Wie weit reichen Wiederherstellungen üblicherweise zurück?

Die tatsächliche Wiederherstellungshistorie ist hier hilfreich.

Wenn die meisten Wiederherstellungsanfragen Daten aus den vergangenen 30 Tagen betreffen, kann es unnötige Verzögerungen verursachen, nur sieben Tage auf dem schnellsten Speicher vorzuhalten. Umgekehrt bringt es möglicherweise wenig operativen Nutzen, sechs Monate an Backups auf Hochleistungsinfrastruktur zu halten, wenn auf ältere Kopien selten zugegriffen wird.

Backup-Teams können anhand von Wiederherstellungsprotokollen ermitteln, wie häufig Anfragen sieben, 30, 60 oder 90 Tage in das Aufbewahrungsfenster zurückreichen.

Damit erhält die Tiering-Richtlinie eine operative Grundlage, statt sich allein am Speicherpreis zu orientieren.

Wie schnell muss jede Kopie wiederherstellbar sein?

Auch die Wiederherstellungsanforderungen sollten die Platzierung beeinflussen.

Aktuelle Backups müssen bei einem Ransomware-Vorfall oder einem Infrastrukturausfall möglicherweise umfangreiche parallele Wiederherstellungen unterstützen. Ältere Kopien, die für gelegentliche Dateiwiederherstellungen genutzt werden, vertragen zusätzliche Abrufzeit.

Maßgeblich ist deshalb nicht allein, wie schnell der Speicher auf eine Anfrage reagiert. Teams sollten berücksichtigen, wie lange es dauern würde, das für die erwartete Wiederherstellung erforderliche Datenvolumen abzurufen.

Eine einzelne 20-GB-Datei abzurufen und 50 TB virtueller Maschinen wiederherzustellen stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an eine Speicherklasse.

Was kostet der Abruf tatsächlich?

Der Kapazitätspreis ist nur ein Bestandteil der Wirtschaftlichkeit von Backup-Speicher.

Je nach Speicherdienst oder Medium kann der Abruf von Daten Folgendes mit sich bringen:

  • Gebühren für den Datenabruf
  • Netzwerk- oder Egress-Gebühren
  • Mindestspeicherdauern
  • Gebühren für vorzeitiges Löschen
  • Verzögerungen durch Staging oder Rehydrierung
  • manuellen Aufwand, um Offline-Medien zu lokalisieren und abzurufen

Diese Kosten sind relevant, weil sich die Wirtschaftlichkeit von Backups im Wiederherstellungsfall umkehrt: Daten, deren Aufbewahrung günstig war, können im großen Umfang teuer im Abruf werden.

Ein sinnvoller Vergleich betrachtet deshalb die Kosten für die Aufbewahrung zuzüglich der Kosten für die Wiederherstellung — nicht nur den Preis pro gespeichertem Terabyte.

Beispiel: Eine Klassengrenze aus der Wiederherstellungshistorie ableiten

Nehmen wir ein Medienunternehmen, das Backup-Daten 90 Tage lang aufbewahrt.

Die jüngsten 14 Tage verbleiben auf einem lokalen Objektspeicher-Ziel. Backups von Tag 15 bis Tag 90 werden auf einen kostengünstigeren Archivdienst verschoben.

Diese Aufteilung reduziert den Bedarf an lokalem Speicher erheblich.

Die Wiederherstellungsaufzeichnungen des Unternehmens zeigen jedoch, dass versehentliches Löschen oft erst mehrere Wochen später bemerkt wird. Ein Cutter fordert schließlich einen 4 TB großen Projektordner aus einem 21 Tage alten Wiederherstellungspunkt an.

Diese Kopie ist zu diesem Zeitpunkt bereits in die Archivklasse verschoben worden.

Die Wiederherstellung hängt nun vom Abrufverfahren des Archivdienstes und von etwaigen Datenübertragungsgebühren ab. Was eine direkte lokale Wiederherstellung gewesen wäre, wird zu einem langsameren und potenziell teureren Vorgang.

Das Problem ist nicht, dass Archivspeicher ungeeignet gewesen wäre. Der Übergangspunkt bei 14 Tagen entsprach nicht dem tatsächlichen Wiederherstellungsmuster der Organisation.

Würde die Wiederherstellungshistorie zeigen, dass die meisten operativen Wiederherstellungen innerhalb von 45 Tagen erfolgen, wäre es sinnvoller, 45 Tage lokal vorzuhalten und die Tage 46 bis 90 zu archivieren.

Wie sich Tiering auf die Ransomware-Wiederherstellung auswirkt

Eine Tiering-Richtlinie sollte auch berücksichtigen, welche Kopien nach einem Angriff noch nutzbar sind.

Mehrere Backup-Kopien auf unterschiedlichen Speicherklassen zu halten, macht diese Kopien nicht automatisch unabhängig voneinander. Wer die Backup-Anwendung kompromittiert, kann unter Umständen weiterhin mehrere Klassen erreichen, wenn diese Zugangsdaten, administrative Kontrollen oder Löschberechtigungen teilen.

Die Aufbewahrungskontrollen müssen deshalb auf jeder Klasse einzeln bewertet werden.

Bei S3-kompatiblem Speicher kann S3 Object Lock Objektversionen für einen definierten Aufbewahrungszeitraum vor Löschung oder Veränderung schützen. Eine korrekt konfigurierte unveränderliche Aufbewahrung kann selbst dann greifen, wenn Angreifer Zugangsdaten erlangen, mit denen sie auf das Speichersystem zugreifen können.

Archivkopien können eine weitere Wiederherstellungsoption bieten. Teams sollten deren Schutzmechanismen jedoch gesondert prüfen, statt anzunehmen, dass Daten allein durch das Verschieben in eine andere Klasse unveränderlich oder isoliert werden.

Backup-Speicherklassen und die 3-2-1-Strategie

Speicher-Tiering und die 3-2-1-Backup-Strategie lösen unterschiedliche Probleme.

Tiering bestimmt, wo Backup-Daten in den verschiedenen Abschnitten ihres Aufbewahrungszyklus liegen sollten — auf Basis von Leistung, Zugriffshäufigkeit und Kosten.

Der 3-2-1-Ansatz konzentriert sich darauf, mehrere Kopien vorzuhalten und die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass ein einzelner Ausfall oder Vorfall alle wiederherstellbaren Kopien betrifft.

Eine einzelne Kopie kann daher mehrere Speicherklassen durchlaufen, ohne dass sich die Zahl der unabhängigen Backup-Kopien erhöht.

Wird ein Backup beispielsweise von lokalem Objektspeicher in eine Cloud-Archivklasse verschoben, ändert das nur, wo diese Kopie liegt. Ob damit auch die Anforderung einer zusätzlichen Kopie erfüllt ist, hängt davon ab, wie die Backup-Software den Verschiebevorgang ausführt und ob eine weitere unabhängige Kopie verfügbar bleibt.

Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn Tiering Teil eines Cyber-Recovery-Konzepts ist und nicht nur einer Richtlinie zur Kapazitätsverwaltung.

Wann sollten ältere Backups auf eine günstigere Klasse wechseln?

Es gibt keine allgemeingültige Anzahl von Tagen, nach der Backup-Daten verschoben werden sollten.

Eine sinnvollere Richtlinie berücksichtigt:

  • Wiederherstellungshäufigkeit nach Backup-Alter. Wie oft stellt die Organisation Daten wieder her, die 7, 30, 60 oder 90 Tage alt sind?
  • Wiederherstellungszeitziele. Wie schnell müssten diese Daten verfügbar sein, wenn eine Wiederherstellung erforderlich wäre?
  • Umfang der Wiederherstellung. Handelt es sich bei älteren Wiederherstellungen typischerweise um einzelne Dateien oder um mehrere Terabyte große Systeme?
  • Aufbewahrungsanforderungen. Welche Kopien existieren vor allem für die operative Wiederherstellung und welche werden für die längerfristige Aufbewahrung vorgehalten?
  • Wirtschaftlichkeit des Abrufs. Was würde es tatsächlich kosten, ein realistisches Datenvolumen aus der günstigeren Klasse wiederherzustellen?

Daraus ergibt sich eine Klassengrenze, die auf dem tatsächlichen Wiederherstellungsverhalten beruht und nicht auf einem willkürlichen Aufbewahrungsstichtag.

Wie ARTESCA in ein gestuftes Backup-Konzept passt

ARTESCA lässt sich als S3-kompatibler Backup-Speicher für aktuelle und aktiv wiederherstellbare Backup-Daten einsetzen. Mit Veeam Backup & Replication wird ARTESCA je nach Backup-Architektur sowohl als Performance Tier als auch als Capacity Tier unterstützt.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, denn ARTESCA muss nicht in jedem Tiering-Konzept eine feste Position einnehmen. Die Rolle hängt davon ab, wie die Backup-Anwendung und die Speicherumgebung konfiguriert sind.

Für Workloads, bei denen die Wiederherstellungsgeschwindigkeit wichtig ist, bietet ARTESCA lokalen Objektspeicher, der ohne Datenabruf- oder Egress-Gebühren der Public Cloud gelesen werden kann. Die aktuelle Veeam-Dokumentation von Scality weist zudem Backup- und Wiederherstellungsleistung aus, die über getestete Konfigurationen mit einem, drei und sechs Knoten hinweg zunimmt — die tatsächliche Leistung hängt jedoch von Workload und Deployment ab.

S3 Object Lock kann für Backup-Buckets aktiviert werden, um eine unveränderliche Aufbewahrung auf Speicherebene bereitzustellen. Die Sicherheitsempfehlungen für ARTESCA sehen unveränderliche Buckets für gezielt geschützte Backup-Daten vor, während die konkrete Aufbewahrungsrichtlinie von unterstützten Backup-Anwendungen wie Veeam gesteuert werden kann.

Veeam kann anschließend anhand eigener Backup-Richtlinien steuern, wie Backup-Daten über Repositories und Klassen verteilt werden. Die SOSAPI-Integration von ARTESCA kann Veeam außerdem Speicherinformationen melden, etwa für Kapazitätsberichte und Platzierungsentscheidungen innerhalb von Scale-out Backup Repositories.

Wie groß die ARTESCA-Klasse sinnvollerweise ausfällt, hängt daher davon ab, wie viel Backup-Historie die Organisation unmittelbar verfügbar halten möchte, welcher Wiederherstellungsdurchsatz bei einer großen Wiederherstellung erforderlich ist und ab welchem Punkt das Verschieben älterer Kopien eine lohnende Kostenersparnis bringt.

Verwandte Begriffe

  • Backup-Ziel — das Speichersystem, das die von der Backup-Software geschriebenen Daten aufnimmt und aufbewahrt.
  • S3 Object Lock — speicherseitig durchgesetzte Aufbewahrung, die verhindert, dass eine geschützte Objektversion überschrieben oder gelöscht wird.
  • Logisches Air Gap — Trennung der administrativen Kontrolle, damit kompromittierte Backup-Zugangsdaten nicht jede Kopie erreichen.
  • WORM (einmal schreiben, mehrfach lesen) — Aufbewahrung auf Speicherebene, die eine Kopie für die Dauer ihrer Aufbewahrungsfrist unveränderlich hält.